Aber die Risse wird man immer sehen...
Ich hatte immer gedacht, dass es am schmerzhaftesten ist, wenn man einseitige Liebe erfährt. Doch ich lag falsch. Reue, aufrichtig von ganzem Herzen, schmerzt mehr, als Liebeskummer.
Sicherlich, jemanden zu lieben, obwohl es nur einseitig ist, tut weh. Aber die Sonne wird wieder scheinen und nach einigen Monaten sind die Tränen getrocknet, der Schmerz verblasst.
Aber wie geht man mit Reue um? Ehrlich, ich weiß es nicht...
Wie kann ich Menschen, die ich liebe und wertschätze, ins Gesicht blicken, obwohl ich genau weiß, dass ich sie enttäuscht und verletzt habe? Wie kann ich... ich weiß nicht. Zu wissen, dass man einen schrecklichen Fehler begangen hat, dass tut weh. Und Entschuldigung ist das mindeste. Aber die Sonne wird nicht wieder scheinen, wenn dort für eine schwarze Wolke die Sicht versperrt. Und vielleicht wird sie wieder kleiner, aber dennoch wird sie dort bleiben. Klein, aber immer sichtbar...
Ich denke, ich kann nur um Vergebung und Zeit bitten, bis irgendwann das Sonnenlicht diese kleine Wolke schwinden lässt. Ich kann nicht nur, ich muss.
Denn bereuen kann nur ich alleine, vergeben kann mir nur mein Gegenüber.
"Die Nacht war schwarz, die Luft war schwül,
Ich fand nicht Schlaf auf meinem Pfühl,
Mein Sinn ward trüb und trüber;
Da schritten die Tage der alten Zeit
Zu langem, langem Zug gereiht
Wehklagend mir vorüber:
»Du hattest den Lenz, und du hast ihn entlaubt,
Du hattest das Heil, und du hast nicht geglaubt,
Du hattest ein Herz zum Lieben,
Du hast es vertändelt mit eitlem Schein;
Nun bist du zuletzt allein, allein
Mit deinem Jammer geblieben.
Und wie du ringst in bangem Gebet,
Es ist zu spät, es ist zu spät,
Du darfst von Rast nicht wissen;
Dein einsam Herz ist dein Gericht.«
Ich aber drückte mein Angesicht
Lautweinend in die Kissen."
Emanuel Geibel